Christian
Interview mit Twixl & vjoon: Entwicklungen im Mobile Publishing

Mobile Publishing ändert sich so schnell, es ist eine Herausforderung für Verlage und Unternehmen am Ball zu bleiben. Holger Kraemer von vjoon und Twixls Laurent Gerniers, beide Experten für digitale Strategien, schauen auf einige der wichtigsten Entscheidungen, die die Verleger machen müssen.

Digitale Ausgaben gibt es schon seit einiger Zeit. Vieles hat sich geändert, wie ist aus deiner Sicht der aktuelle Stand?
(Holger/vjoon): Digitale Ausgaben sind seit langem eine Option für Verlage, besonders mit dem Aufstieg von Smartphones entstanden viele neue Möglichkeiten, Inhalte speziell für Mobile Geräte aufzubereiten und entsprechend anzureichern. Um dies zu erreichen, mussten Verlage ihre Angebote teilweise neu organisieren oder sogar zu neuen Produktionsparadigmen wechseln, wie beispielsweise “Digital First”. Dass der Kunde von morgen über Mobile Geräte erreicht wird, wurde von vielen Verlagen verstanden und sie haben sich entsprechend angepasst. Wir sehen, dass die Leser immer mehr exklusive Inhalte auf mobilen Geräten erwarten. Video-Content wird hier immer wichtiger, aber der ist aufwendig und teuer zu produzieren.
Ebenso wie Verlage wollen Kommunikations- und Marketingabteilungen ihre Zielgruppen auch über mobile Kanäle erreichen und suchen nach strategischen Lösungen, um ihre Jahresberichte oder Kundenmagazine einfach und effizient auf mobile Geräte zu bringen. Aus unserer Erfahrung kann die Automatisierung von Prozessen dazu beitragen, komplexe und ehrgeizige Projekte zu implementieren und zu verschlanken, um den Inhalt qualitativ anzureichern und gleichzeitig den Zeitdruck bei der Arbeit stark zu reduzieren.
 

Was sind die größten Herausforderungen, die Verleger bei der Herstellung von mobilen Ausgaben erwarten?
(Holger/vjoon): Die große Frage ist doch: willst du ein pixelgenaues Design oder universal einsetzbare Layouts in Form von HTML-Templates. Beide Ansätze haben ihre Vor- und Nachteile. Viele Verlage entscheiden das von Fall zu Fall. Neue Technologien führen zu höheren Erwartungen; ob sie diese Erwartungen erfüllen können, bleibt abzuwarten. Einige unserer großen Kunden arbeiten nach wie vor mit InDesign, weil sie so schon seit vielen Jahren arbeiten und sich dadurch viel Know-how in diesem Bereich ansammeln konnten. Sie haben große Leidenschaft für Details entwickelt. Ebenso wichtig ist, dass diese Unternehmen bereits bestehende Workflows und vorhandene Erlösmodelle haben, die sie nicht voreilig für eine neue, unausgereifte Technologie über Bord werfen werden. Aber wie oben gesagt, es ist eine Fall-für-Fall-Entscheidung. Sicherlich ist es sinnvoll, Inhalte für wiederkehrende Layouts (z.B. Zeitungen) in HTML-Vorlagen zu schieben. Wie bereits erwähnt, erwarten die Leser exklusive Inhalte, wenn sie eine digitale Ausgabe für mobile Geräte kaufen. Um hier eine kreative Exzellenz zu erreichen, müssen neue Teams gebildet werden. Vielleicht braucht das Team einen zusätzlichen Video-Redakteur? Für eine kostengünstige Produktion müssen diese Teams dann in die vorhandenen Workflows eingebunden werden. Effiziente Zusammenarbeit im Team ist hier entscheidend und man kann viel Arbeitsschritte automatisiert durchführen. So kann die Content-Produktion beschleunigt und Produktionszeiten verkürzt werden. Wenn man bedenkt, wie gravierend Technologien unser tägliches Leben beeinflussen, sind Verlage gut beraten, ihre Produktionssysteme für neue Technologien offen zu halten. Jede Crossmedia-Publishing-Plattform sollte in der Lage sein, zukünftige Technologien zu integrieren. Also sollten Verlage sich fragen, inwieweit der vorhandene Produktionsprozess die einfache Integration von Drittsystemen ermöglicht.
Eine weitere Frage betrifft die Monetarisierung von mobilen Ausgaben, die problematisch sein kann, vor allem, wenn die Kosten der mobilen Content-Erstellung am Anfang nicht klar sind. Erlösmodelle müssen dann angepasst oder Produktionskosten gesenkt werden – oft zum Nachteil der Qualität der Inhalte. An diesem Punkt empfehle ich Verlagen durch Automatisierungen Geld und Zeit einzusparen. Dieses Geld sollten sie dann in speziell für mobile Geräte optimierten Content investieren.

Portrait Holger Kraemer und Laurent Gerniers Twixl vjoon
Portrait Holger Kraemer und Laurent Gerniers Twixl vjoon
Christian Mi, 07/26/2017 - 11:55

Empfehlen Sie Verlagen, ihre Apps im eigenen Haus zu entwickeln oder eine Out-of-the-Box Unternehmenslösung zu kaufen?
(Laurent/Twixl): Wenn du es selbst entwickelst, wirst du wahrscheinlich genau das bekommen, was du willst, zumindest das ist das Ziel. Aber bei welchen Kosten und wie lange dauert es? Es entstehen nicht nur anfängliche Entwicklungskosten, sondern auch Kosten für die Infrastruktur und die jährliche Wartung, ganz zu schweigen von den internen Projektmanagementkosten. Eine mobile Publishing-Lösung besteht aus verschiedenen Teilen.

Diese Lösungen ermöglichen:

  • angereicherten Content zu erstellen
  • die Erstellung einer App, die diesen Inhalt darstellen kann
  • das sog. Look-and-Feel Ihrer App zu individualisieren; Den Verkauf der Inhalte durch App-Stores, und das management, wer Zugriff auf welchen Inhalt hat
  • die weltweite Verteilung der Inhalte
  • die Verwaltung der Inhalte
  • das Sammeln analytischer Informationen

Heute sind verschiedene spezialisierte mobile Publishing-Lösungen auf dem Markt verfügbar, die eine Vielzahl von Funktionen und Funktionalitäten zu einem erschwinglichen Preis bieten. Sie bieten diese Dienstleistungen als ein Abonnement-Modell zu einem Bruchteil des Preises, den Sie für die Inhouse-Entwicklung zahlen müssten. Diese Lösungen sind nicht neu und seit den frühen Tagen des mobilen Publishing auf dem Markt. Sie haben sich auf der Grundlage von Kunden-Feedback über die letzten sechs oder sieben Jahre entwickelt, und bieten nahezu alles und teilweise sogar mehr an Features, als die Unternehmen benötigen.
Das häufigste Argument für die individuelle Entwicklung ist die Notwendigkeit eines ganz spezifischen Features. Um erfolgreich zu sein, muss jede Out-of-the-Box-Lösung offen und flexibel sein. Die meisten Lösungen ermöglichen es, Inhalte und Funktionalität mittels HTML umzusetzen. Diese Lösungen integrieren auch externe Inhalte aus einem Redaktionssystem oder einem CMS oder aus einem RSS-Feed. Auch wenn dies manchmal eine gewisse Entwicklungszeit erfordert, wird es immer noch kostengünstiger sein als eine vollständig selbstgebaute App. Mein Rat wäre, Erfahrung zu kaufen und dennoch die Möglichkeit zur für eigene Anpassungen zu haben.

 

Welchen Rat würden Sie Verlagen geben, um ihnen zu helfen, ihre mobile Situation zu beurteilen?
(Holger/vjoon): Ich würde einen Drei-Punkte-Plan empfehlen:

  1. Verleger und Unternehmen sollten eine digitale Strategie entwickeln, die ihren Bedürfnissen entspricht; Das sollte besser heute als morgen passieren.
  2. Achten Sie darauf, wie neue Prozesse in bestehende Produktionsprozesse integriert werden können.
  3. Schlanke Produktionsmethoden sparen Geld und automatisierte Prozesse können Ihnen einen Geschäftsvorteil bieten. Das eingesparte Geld und die Zeit können in exklusive mobile Inhalte reinvestiert werden.